Dachverbände Feldberegnung Lüneburg und Uelzen untersuchen Grundwassermenge

Die Dachverbände Feldberegnung Lüneburg und Uelzen sind Zusammenschlüsse aller Grundwassernutzer in den Landkreisen Lüneburg und Uelzen, ohne die Trinkwasserversorger. Ihr wichtigste Aufgabe ist, die Auswirkungen der Grundwasserentnahmen zu untersuchen. Dazu wird ein Grundwasserströmungsmodell für die Grundwasserkörper der Ilmenau erstellt. Durch die Zusammenarbeit der Dachverbände Feldberegnung wird ein Modellgebiet mit einer Größe von rund 3.850 km² erfasst, dass über die Grenzen der beiden Landkreise hinaus reicht. Diese Größe ist erforderlich, um auch die Wechselbeziehungen mit benachbarten Grundwasserkörpern, wie zum Beispiel der Jetzel im Landkreis Lüchow-Dannenberg oder der Ise im Landkreis Gifhorn, darstellen zu können, so der stellvertretende Geschäftsführer und Projektleiter des Kreisverbandes, Dipl.-Ing. Jörg Martens.

Projektgebiet2

Ziel des Projektes ist es entnahmebedingte Auswirkungen auf grundwasserabhängige Landökosysteme, Teiche, Seen oder Fließgewässer aufzuzeigen und Strategien dafür zu entwickeln, wie eventuellen negativen Auswirkungen entgegengewirkt werden kann. Am Ende des Projektes steht ein abgeschlossenes Wasserrechtsverfahren, das den Grundwassernutzern mit langfristig gesicherten Wasserrechten mehr Planungssicherheit gibt und so die Beregnungslandwirtschaft in den beiden Landkreisen absichert.

In einem ersten Schritt wurden in den letzten beiden Jahren durch die Mitarbeiter des Kreisverbandes der Wasser- und Bodenverbände Uelzen alle Daten zu Beregnungsbrunnen und Bohrungen gesammelt und gesichtet. Die Beregnungsbrunnen wurden eingemessen und die Flächenzuordnung zu den Brunnen überprüft und ergänzt. Für den Landkreis Uelzen ergaben sich so 1.194 Beregnungsbrunnen, denen eine erlaubte Beregnungsfläche von 54.832 Hektar zugeordnet ist. Im Landkreis Lüneburg wurde 865 Beregnungsbrunnen eine Fläche von 22.737 Haktar zugeordnet. Die derzeit erlaubte jährliche Grundwasserentnahmemenge beträgt für Uelzen rund 40 Mio. m³ für die Feldbewässerung und 9 Mio. m³ für die Trink- und Brauchwasserversorgung. In Lüneburg sind für die Feldbewässerung rund 16 Mio. m³ und für die Trink- und Brauchwasserversorgung rund 11,7 Mio. m³ erlaubte Entnahmemenge.

Die so gewonnenen Daten zum geologischen Aufbau des Untergrundes wurden gemeinsam mit Daten von rund 18.000 weiteren Bohrungen und Brunnendaten im Projektgebiet zum Bau eines Strukturmodells genutzt.

Block Uelzen

Das Strukturmodell bildet dabei den geologischen Untergrund als Abfolge von Wasser stauenden und - leitenden Schichten ab. Das Grundwasser fließt in den leitenden Schichten, unterschiedlich schnell, zu tieferen Bereichen. Aus den durchlässigen und leitenden Schichten wird das Grundwasser durch Brunnen entnommen. Die verschiedenen Grundwasserleiter (Aquifere) bestehen aus sandig-kiesigen Schmelzwasserablagerungen und werden durch Schichten aus Geschiebemergel oder Ton begrenzt.

Das so erstellte Strukturmodell wurde im Dezember 2017 vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover für plausibel und verwendbar erklärt. Damit wurde ein wichtiger Schritt erreicht, auf dessen Ergebnisse derzeit ein nummerisches Modell erarbeitet wird. Mit diesem nummerischen Modell erfolgen die eigentlichen Berechnungen zur Grundwasserströmung und Lage der Grundwasserspiegel sowie deren Veränderung bei verschiedenen Entnahmeszenarien. So sollen auch Auswirkungen durch den Klimawandel auf den Wasserbedarf und die Grundwasserneubildung mit einem Prognosehorizont von ca. 25 Jahren abgebildet werden.

Im Gegensatz zu Trinkwasserentnahmen ist die Entnahme von Beregnungswasser starken jahreszeitlichen Schwankungen und dem Witterungsverlauf unterlegen. Diese starken Schwankungen in den Entnahmen abzubilden ist eine sehr komplexe Aufgabe. Zur Kalibrierung des nummerischen Modells soll deshalb eine Stichtagsmessung von Grundwasserständen an ausgewählten Brunnen im März 2018 erfolgen. Hierzu sollen bis zu 5 Messteams innerhalb einer Woche an über 500 Brunnen Messungen des Grundwasserspiegels vornehmen. Ergänzt durch die Daten der Messpegel des gewässerkundlichen Landesdienstes ermöglichen die Messwerte eine erste Kalibrierung des Grundwasserströmungsmodells.

Die Fertigstellung des Gutachtens ist für 2019 geplant. Die anschließenden Wasserrechtsverfahren werden einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen. Mit dem Abschluss des Projektes wird die Arbeit des Dachverbandes nicht beendet sein. Die jetzt erarbeiteten Daten müssen weiterhin aktuell gehalten werden um sie bei späteren Verfahren nutzen zu können. Zukünftig wird es ein Monitoring für das Grundwasser geben, das der Dachverband nach Abschluss des Verfahrens durch- bzw. weiterführen wird.

Bis zum Abschluss des Projektes wird die Bewässerungslandwirtschaft in den Landkreisen Uelzen und Lüneburg über eine halbe Million Euro in das Wasserrechtsverfahren und die Gutachten investiert haben. Geld, dass nur über die Gemeinschaft aller Projektbeteiligten im Dachverbänden Feldberegnung bereitgestellt werden kann und mit dem Grundlagen geschaffen werden, die für die zukunftssichere, umweltverträgliche Grundwasserentnahme erforderlich sind.