So durstig ist Lüneburg

Feldberegnung hat bei Entnahme größeren Anteil als Trinkwasser – Gefördertes Lebensmittel ist mindestens 100 Jahre alt
VON DENNIS THOMAS
Lüneburg. Es sind im Wesentlichen vier große Wasserkörper, aus denen in Stadt und Landkreis Grundwasser gefördert wird. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises legte nun dem Umweltausschuss des Kreistags die jüngste Grundwasserbilanz für die Jahre 2013 bis 2015 vor. Zwar liegen regelmäßig die tatsächlich entnommenen Mengen
unter den genehmigten Mengen, gleichwohl lagen die Entnahmen im Jahr 2015 höher als in den Vorjahren: Die Entnahme von mehr als 39,2 Millionen Kubikmetern (oder mehr als 280 Millionen Badewannen á 140 Liter) war genehmigt – rund 29,5 Millionen Kubikmeter wurden offiziell entnommen. Der größte Anteil in den beiden Hauptwasserkörpern
entfiel aber nicht auf die Gewinnung von Trinkwasser, sondern wurde für die Feldberegnung genutzt.
Die genehmigten Wasserförder-Mengen liegen regelmäßig über dem, was tatsächlich entnaommen wird. Gleichwohl ist die Wasserförderung 2015 im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen. Grafik: hm
Die genehmigten Wasserförder-Mengen liegen regelmäßig über dem, was tatsächlich entnommen wird. Gleichwohl ist die Wasserförderung 2015 im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen. Grafik: hm
Die auch flächenmäßig größten Wasserkörper im Landkreis heißen „Ilmenau Lockergestein links“ und „Ilmenau Lockergestein rechts“, aus denen mehr als 96 Prozent der Grundwasserentnahmen durchgeführt wurden. Die Grenze der beiden Bereiche im Kreisgebiet verläuft ungefähr auf der Höhe des Ortes Wittorf im Norden, geht mitten durch die
Stadt Lüneburg und endet im Süden zwischen Melbeck und Deutsch Evern. Der Bereich „Ilmenau Lockergestein rechts“ schließt dann an und verläuft östlich bis zur Elbe, wo der Wasserkörper „Elbe Amt Neuhaus“ beginnt. Im östlichen Teil der Samtgemeinde Dahlenburg wird zudem ein kleiner Teil des Wasserkörpers „Jeetzel Lockergestein links“ genutzt, der aber im Wesentlichen im Landkreis Lüchow- Dannenberg liegt. Mehr als elf Millionen Kubikmeter für Trinkwasser Insgesamt lag 2015 die entnommene Wassermenge aus den genannten Wasserkörpern in Stadt und Kreis bei 29,6 Millionen Kubikmetern (oder 29,6 Milliarden Litern) – und damit rund elf Prozent über dem Vorjahr. Davon entfielen auf die Stadt rund 7,2 Millionen Kubikmeter, auf den Landkreis 22,3 Millionen. Davon wurden insgesamt in Stadt und Kreis 11,9 Millionen Kubikmeter für Trinkwasser gefördert, aber
14,5 Millionen zur Feldberegnung. Der Rest entfällt auf Brauchwasser (1,1 Millionen Kubik) und Kühlwasser (rund 2,1).
Insgesamt ist zudem von einer „nutzbaren Dargebotsreserve“ die Rede in Höhe von insgesamt rund 8,7 Millionen Kubikmetern, zuzüglich von 90 000 Kubik im „Wasserkörper Örtze Lockergestein links“. Der betrifft hier den südwestlichsten Zipfel der Samtgemeinde Amelinghausen, wo aber weder eine Fördergenehmigung vorliegt, noch eine
Wasserentnahme gemeldet wurde. „Nutzbare Dargebotsreserve“ bezeichnet die Grundwassermenge, über die nach einem landesweit angewendeten Abschätzungsverfahren
weitere Wasserrechte über die bereits bestehenden hinaus ausgesprochen werden können, „ohne dass von einer mengenmäßigen Verschlechterung des gesamten Grundwasserkörpers ausgegangen werden muss“, erklärt auf LZNachfrage Herma Heyken vom Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).
Grundwasserschutz ist langfristig besonders wichtig Heyken sagt: „Ziel der Bewirtschaftung in Form von erteilten Wasserrechten ist ein Gleichgewicht zwischen Grundwasserneubildung, Grundwasserentnahme und Grundwassermenge, die dem Gewässersystem zur Verfügung steht. Die Messungen des Landes belegen diesen dynamischen Gleichgewichtszustand.“ Die genannten Grundwasserkörper im Landkreis befinden sich in einem guten mengenmäßigen Zustand, so Heyken. Bekanntlich
weist das im Kreis gewonnene Trinkwasser eine herrorragende Qualität auf. Verschlechterungen dieser Qualität seien zumindest kurzfristig nicht zu erwarten, da
das Wasser aus tieferen Grundwasserstockwerken entnommen wird „und Trennschichten aufweist, die temporär einen guten Schutz vor Verunreinigungen bieten“, heißt es. Aber: „Langfristig kommt dem vorsorgenden Grundwasserschutz eine große Bedeutung zu, um Belastungen, wie sie im oberen Grundwasserleiter verbreitet zu beobachten
sind, zu verringern“, sagt Heyken. Die Filter der Förderbrunnen im Landkreis befinden sich regelmäßig im zweiten oder dritten Grundwasserstockwerk, oftmals in einer Tiefe zwischen 100 und 200 Metern. Aufgrund der Bodenbeschaffenheiten und der Fließgeschwindigkeiten bei der Grundwasserneubildung könne dem geförderten Grundwasser
ein Alter von mindestens 100 Jahren unterstellt werden.