Neues Flussbett für die Gerdau

Gewässer wird um Verhorner Mühle geleitet / 
Wiederansiedlung von Flussperlenmuscheln

Von Jörn Nolting, aus AZ vom 29. Mai 2010

Die Gerdau ist laut Niedersächsischem Fließgewäs­serschutzsystem ein Hauptge­wässer erster Priorität. Für sie ist deshalb ein Gewässerentwick­lungsplan erarbeitet worden. Er­gänzend wurde im vergangenen Jahr eine Studie zur Herstellung des guten ökologischen Potenti­als für den Gerdau-Oberlauf er­stellt. Ziel dieser Studie: Flussperlenmuscheln sollen sich wie­der ansiedeln und die Geschie­beführung soll sich reduzieren.

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Ulrich Ostermann (links) und Jörg Martens vom Gewässer- und Landschaftspflegeverband Mittlere und Obere Ilmenau stehen vor der Gerdau an der Verhorner Mühle. Der Verlauf des Gewässers soll nun verändert werden. (Foto: Nolting)

 

 

 


Für die Anwohner bedeutet es, dass demnächst umfangrei­che Bauarbeiten im Bereich Ver­horn stattfinden werden. „Am Montag wird das Gebiet vermes­sen", erklärt Jörg Martens, Inge­nieur des Gewässer- und Land­schaftspflegeverbands Mittlere und Obere Ilmenau. Dann rü­cken die Bagger an, um den bis­herigen Lauf der Gerdau zu ver­ändern.
„Eine wesentliche Störung im Fließgewässerkontinuum ist die Mühle in Verhorn, die nicht mehr genutzt wird", erläutert der Ingenieur. Die stromauf- und stromabwärts gerichtete Wan­dermöglichkeit für Fließgewäs­serbewohner wie Fische und Wirbellose ist unterbrochen. Geplant ist der Bau eines neuen rund 650 Meter langen Gewäs­sers, das die Mühle in einer neu­en Trasse umgeht. Dieser neue Gerdau-Abschnitt wird mit ei­nem, den natürlichen Verhält­nissen in der Gerdau angegliche­nen Gefalle von rund 0,35 Pro­zent angelegt.
„In die neue Gewässersohle wird ein Sand-Kies-Gemisch nach genau vorgegebenen Sieb­linien eingebaut, das künftig für die typischen Fließgewässeror­ganismen als Lebensraum geeig­net ist", erklärt der Verbandsge­schäftsführer Ulrich Ostermann.
Der neue Gewässerlauf kreuzt allerdings die Kreisstraße 12 rund 40 Meter nördlich der jetzigen Gerdaubrücke. „Hier soll ein 21 Meter langer so ge­nannter Mauldurchlass einge­baut werden", schildert Jörg Martens.
Dieser wird aus Stahlfertigtei­len neben dem Einbauort zu­sammengesetzt und dann mit­tels eines Baukrans in die Bau­grube eingebaut. „Durch diese Bauweise kann die erforderliche Sperrung der Kreisstraße auf wenige Tage beschränkt werden", hofft Ulrich Ostermann. Der Einbau ist während der Som­merferien vorgesehen, so dass die Beeinträchtigung des Ver­kehrs in diesem Bereich in die verkehrsschwache Zeit fällt.
Schon jede Menge Diplomar­beiten der Suderburger Fach­hochschule haben sich mit dem Thema im Vorfeld beschäftigt. „Sie bildeten am Ende auch die Grundlage für unsere Planun­gen", hebt Ulrich Ostermann hervor.

Umleitung der Gerdau
Kosten liegen bei 400000 Euro
Die für den Bau erforderlichen Grundstücke wurden über Gestattungsverträge von den Grundstückseigentümern zur Verfügung gestellt. Insgesamt müssen für die Baumaßnahme rund12.000 Kubikmeter Boden bewegt sowie 1500 Kubik­meter Sohlsubstrat angeliefert und eingebaut werden. Die
Gesamtkosten von 400.000 Euro werden durch die Europäi­sche Union und das Land Nie­dersachsen über das Pro­gramm zur Entwicklung im ländlichen Raum Niedersach­sen und Bremen 2007 bis 2013 sowie den LandkreisUelzen gedeckt. Die Dauer der Bauar­beiten wird auf drei Monate geschätzt. Die Straße muss für fünf Tage gesperrt werden.